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Liebe Freunde des Landestheaters Schwaben, haben Sie auch das Gefühl, dass sich die Zeit allfälliger Ironie dem Ende neigt? Dass dieses unablässige Augenzwinkern, mit dem wir noch so ernste Anlässe, Ereignisse und Problemstellungen quittierten, unsere besten Kräfte erschöpft hat? Dass wir es müde sind, zu Allem und Jedem auf Distanz zu gehen, um uns die Wirklichkeit vom Leibe zu halten? Dass unsere Fähigkeit, uns dem Leben zu stellen und gestalterisch einzugreifen, mehr denn je gefragt ist? Dass wir wieder einen Zugang zu unserer Geschichte finden müssen, damit die Zukunft nicht dem Zufall überlassen bleibt?
Theater handelt von der Wirklichkeit, von unserer gemeinsamen Herkunft, von Menschheitserfahrungen und persönlichen Schicksalen, die ja untrennbar mitein- ander verknüpft sind, und appelliert immer wieder neu an unser Gewissen, an unsere moralische Verantwortung, nicht nur für das Eigene, sondern auch für das Ganze. Hinsehen und Handeln, das ist vonnöten. Theater ermuntert uns dazu. Es macht Lust, den Menschen in seiner ganzen Problematik zu sehen und einen Ausweg aus den oft unlösbar scheinenden Widersprüchen, Konflikten und Tragödien zu suchen. Es facht das Feuer unseres Geistes an und weckt unsere Leidenschaft. Es ist der Spiegel, in dem wir unser menschliches Antlitz wieder erkennen.
Aller Fortschritt hat nicht verhindern können, dass wir uns von archaischen Trieben leiten lassen. Drei Produktionen dieser Spielzeit, »Medea«, »Die Nibelungen« und »kindersoldaten«, zeigen, was geschieht, wenn Rachegefühle zum Hauptmotiv menschlichen Handelns werden. Wir empfinden Mitleid und Furcht.
Und wenden uns nicht achselzuckend und mit einem ironischen Bonmot auf den Lippen vom Geschehen ab. Theater ist gemeinsame Anteilnahme.
Auf eine aufregende Spielzeit freut sich mit Ihnen
Ihr Walter Weyers
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